Plädoyer für agilere ERP-Anbieter

ERP-Anbieter_agil

Godelef Kühl ist CEO des ERP-Anbieters Godesys. Ende September 2015 schrieb er, dass der Markt agilere ERP-Systeme braucht. ERP-Systeme, die an die Prozesse der Kunden angepasst werden können und die Automatisierung von Prozessen unterstützen. Dieser Meinung sind wir auch. Aber er braucht vor allem und viel mehr agilere ERP-Anbieter.

Die Anpassbarkeit von ERP-Systemen

ERP-System sind in verschiedenen Schichten aufgebaut (Basissoftware, Industrie- und Branchenlösungen, Zusatzsoftware)ERP-System gehören zu den anpassungsfähigsten Systemen überhaupt. Die Anpassbarkeit ist Teil des Konzepts. Über Module, Parameter, Add-Ons, Industrielösungen, Brachen- und Länderpakete, Tools, Zusatzsoftware, Schnittstellen, Workflows, (Report-, Masken- und Abfrage-)Editoren uvm. kann eine ERP-Lösung grundsätzlich sehr genau auf die Anforderungen der Kunden zugeschnitten werden. Die Grenzen der Anpassbarkeit werden gesetzt durch die Vorstellungskraft, das Knowhow und das Können der Entwickler, die Software-Architektur und den Aufwand, der für die Anpassungen entsteht. Bei einem ERP-System mit höhere Anpassungsfähigkeit wird auch der Aufwand für das Customizing steigen, es sei denn, es wird vom ERP-Anbieter bereits gut auf verschiedene Situationen vorbereitet (vorkonfiguriert).

Die von Herr Kühl geforderte Anpassungsfähigkeit ist wichtig. Aber es braucht mehr:

Als ERP-Anbieter einen Schritt voraus

Im Rahmen einer ERP-Einführung wird die ERP-Lösung an die spezifischen Anforderungen des Kunden angepasst. Um eine schnelle und effektive Einführung zu ermöglichen sollten drei Dinge sichergestellt sein:

  • Die ERP-Software ist bereits gut vorkonfiguriert und deckt einen grossen Teil der Kundenanforderungen ab
  • Der ERP-Anbieter versteht das Geschäft des Kunden und kann die individuellen Themen schnell umsetzen
  • Die ERP-Lösung bietet die zur schnellen Anpassung notwendigen Möglichkeiten (s. o.)

Eine gute Vorkonfiguration kann sich in Form von sinnvoll vordefinierten Workflows, guten Basisdokumenten oder auch einer geeigneten Basiskalkulation zeigen. Das Verstehen des Geschäfts beinhaltet zum einen, die Branche zu kennen. Zum anderen heisst es aber auch zu erkennen, um was es im Kern geht. Immer wieder stossen wir auf Projekte, wo versucht wird, einen Werkstattfertiger wie einen Serienproduzenten, einen Dienstleister wie einen Hersteller oder einen Prozessfertiger wie einen Handelsunternehmen zu behandeln. Das kann funktionieren, führt aber sicher nie zur bestmöglichen Lösungen. Erkennen bedeutet auch ehrlich zu sehen, wenn die ERP-Lösung nicht ausreichend ist und zusätzliche, spezialisierte Tools eingesetzt werden sollten.

Entwicklungen in ERP-Systemen werden häufig durch neue Anforderungen von Kunden angestossen. Dagegen ist nichts einzuwenden wenn die Entwicklungen den Fortschritt der Software für alle Interessenten sicherstellen. Von Kunden angestossene Entwicklungen sollten jedoch nicht die einzige treibende Kraft sein. Sonst läuft der Anbieter Gefahr, den Fokus zu wenig auf moderne Basistechnologien und innovative Funktionen zu setzen. ERP-Anbieter müssen neue Technologien und Innovationen frühzeitig in Betracht ziehen, prüfen und ihren Kunden neue, innovative Konzepte anbieten können. Das ist in der Praxis zu selten der Fall. Ein Beispiel dazu werde ich Ihnen im nächsten Beitrag zeigen.

Flexible und kundenorientierte Bezahlmodelle

In der Welt der ERP-Systeme sind nach wie vor starre Lizenzmodelle vorherrschend. Kunden kaufen eine feste Anzahl an Lizenzen damit sie die ERP-Lösung nutzen können. Kommen User hinzu, müssen sie zusätzliche Lizenzen kaufen. Brauchen sie weniger, bleiben sie auf den bestehenden Lizenzen sitzen. Änderungen, die die Lizenzen des Kunden betreffen, kosten den Kunden Geld (zusätzliche oder Abschreibung nicht mehr benötigter Lizenzen). Organisationen überlegen sich daher genau, ob sie in Lizenzen investieren wollen. Organisationen verändern sich. Viele der bestehenden Lizenzmodelle sind nicht darauf ausgelegt, diesen Veränderungen Rechnung zu tragen.

Für verschiedenste Systeme, sie es im Web oder lokal, gibt es alternative Bezahlmodelle die dem Kunden eine bessere Anpassbarkeit der Kosten ermöglichen. Einige ERP-Anbieter und Hersteller haben dies erkannt und passen auch Ihre Modelle an.

ERP-Community

ERP-Anwendertage bei denen die Funktionen des neuen Releases vorgestellt werden sind weit verbreitet. Zum einen bieten sie den Anwendern die Möglichkeit, sich über den neuesten Stand zu informieren und zu entscheiden, ob das neue Release den Aufwand für einen Releasewechsel rechtfertigt. Zum anderen ist es ein schöner Marketing-Anlasse bei dem sich der ERP-Anbieter im besten Licht präsentieren kann.

Doch wie tauschen sich Anwenderinnen und Anwender ausserhalb der Anwendertage aus. Und wie wird eigentlich entschieden, wie ein ERP-System weiterentwickelt wird? Der ERP-Anbieter erhält laufend Anfragen von Kunden für neue oder geänderte Funktionen im System. Doch das sind häufig spezifische Lösungen für spezifischen Fragestellungen. Daher haben einige ERP-Anbieter begonnen, eine Community aufzubauen. Die Mitglieder beteiligen sich mit ihrem Knowhow und ihrem Engagement an der Weiterentwicklung. Zudem vernetzen sich die Kunden untereinander und tauschen Erfahrungen im Umgang mit der ERP-Lösung aus. Eine funktionierende Community ist ein kaum zu überschätzender Vorteil für Kunden und Hersteller eines ERP-Systems.

Veröffentlicht am 3. November 2015
1 Kommentar

[…] Sonst werden viele rechts und links überholt bevor sie „papp“ sagen können. Im Plädoyer für agilere ERP-Anbieter habe ich für ERP-Anbieter geworben, die mutiger innovative Ansätze vordenken, prüfen und […]

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