Gehen Sie davon aus, dass allen klar ist, was Ihre neue [ERP-, DMS-, CRM-]Software zukünftig können muss

Anforderungskatalog ERP-Evaluation

(wenn Sie Ihr Softwareprojekt ganz sicher an die Wand fahren wollen)

Anforderungen am Anfang, Anforderungen am Ende

Zu Beginn eines jeden Software-Projekts müssen die Auftraggeber formulieren, dass die neue Lösung können muss. Klar werden Sie sagen, sonst weiss der Auftragnehmer ja nicht, was er programmieren soll. Aber häufig werden die Anforderungen nicht oder nicht ausreichend dokumentiert weil ja wohl jedem klar ist, was ein modernes ERP-, Krankenkassen-, Dokumenten-Management-, CRM-, Kassen- oder Ticketsystem „heutzutage können muss“.

Konkrete Anforderungen sind jedoch nicht nur die Basis für eine gelungene Entwicklung oder Evaluation. Am Ende eines jeden Projekts steht die Abnahme des Systems. Hier geht es darum zu prüfen, ob das gelieferte Objekt die Anforderungen erfüllt oder nicht. Alles was hier zählt sind niedergeschriebene, konkrete und prüfbare Anforderungen.

„Erwartungen nicht erfüllt“

Die 23 Millionen Euro stünden „in keinem Verhältnis zu den erbrachten Leistungen und widersprechen unseren Erwartungen an eine Software und IT-Struktur mit ausreichender Flexibilität und Funktionalität“. Schreibt der Geschäftsführer des Medizinischen Dienstes der Krankenkassen Nord. Wie SPIEGEL ONLINE berichtet, beschlossen vor zehn Jahren elf medizinische Dienste in Deutschland, zusammen eine effiziente ERP-Lösung entwickeln zu lassen. Offensichtlich entspricht das bisher vorliegende Ergebnis trotz der hohen Investition den Anforderungen der Auftraggeber nicht. Daher wurde der Beschwerdebrief erfasst, aus dem das Magazin zitiert.

Was genau die Ursachen für das Debakel sind, kann der Aussenstehende natürlich nicht beurteilen. Aber das Zitat lässt vermuten, dass die Auftraggeber und Auftragnehmer unterschiedliche Vorstellungen von den Anforderungen an die Software haben. In diesem Fall insbesondere in den Bereichen die Flexibilität und die Funktionalität des ERP-Systems. Das wiederum lässt erahnen, dass die Anforderungen zu Beginn des Projekts nicht konkret und detailliert genug dokumentiert wurden.

Sauberes Handwerk: Requirements Engineering

Requirement Engineering beinhaltet vier Kernaufgaben: Emitteln, Dokumentieren, Prüfen & Abstimmen sowie Verwalten von Anforderungen

Requirement Engineering beinhaltet vier Kernaufgaben.

Die Lösung ist weder neu noch revolutionär: alle relevanten Anforderungen an ein neues System werden systematisch ermittelt, dokumentiert und abgestimmt. Massgebend sind Qualitätskriterien wie Aktualität, Realisierbarkeit oder Prüfbarkeit. Schliesslich werden die Anforderungen verwaltet, sprich: Änderungen werden verfolgt, Prioritäten gesetzt usw. „Requirements Engineering“ nennt sich die Disziplin, die sich mit  systematischen Umgang mit Anforderungen beschäftigt.

Das sieht einfacher aus als es ist. Aber wer den Lieblingssatz aller Anforderungsingenuere liesst, erkennt schnell, wo die Herausforderungen liegen: „Die neue Lösung ist schnell und flexibel“. Das sich die Geister bei der Systemabnahme hier scheiden können, ja, fast sicher scheiden werden, ist offensichtlich.

Das International Requirements Engineering Board (IREB) hat ein Modell für ein erfolgreiches Anforderungsmanagement entwickelt. Es dient nicht nur als Vorlage für die Praxis sondern ist gleichzeitig die Basis für die Ausbildung in Zertifizierung in diesem für Projekte so wichtigen Bereich.

Veröffentlicht am 15. November 2013

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