Benutzerfreundlichkeit von ERP-Systemen (2)

Benutzerfreundlichkeit: Kinderleicht sollte es auch in ERP-Systemen sein

Im letzten Beitrag sind wir auf die Benutzerfreundlichkeit bei ERP-System und verwandten Anwendungen eingegangen. Nun nähern wir uns dem Begriff im Hinblick auf die Umsetzung in einer ERP-Evaluation.

Benutzerfreundlichkeit ist mehr als chices Maskendesign

Benutzerfreundlichkeit, Bedienbarkeit oder Ergonomie einer Software zu beurteilen und greifbar zu machen, ist gar nicht so einfach. Wir lesen häufig die Anforderung, dass die Software sich „effizient und schnell“ bedienen lassen muss. Nur, was heisst das genau? Etwas konkreter wird der Wunsch, die Benutzeroberfläche solle sich an Microsofts GUI (engl. Graphical User Interface) orientieren. Das ist der Versuch, mit etwas bekanntem zu vergleichen.

Mangelnde Benutzerfreundlichkeit: Die Funktion "Format übertragen" arbeitet in Word anders als in Powerpoint

Mangelnde Benutzerfreundlichkeit: Die Funktion „Format übertragen“ arbeitet in Word anders als in Powerpoint

Hauptsächlich der Begriff „Ergonomie“ weisst darauf hin, dass es hier nicht nur um das Design der Masken und Formulare geht, sondern in hohem Masse um Funktionalität. Ergonomie beinhaltet die Automatisierung (dazu später mehr). Natürlich wäre es wünschenswert, wenn man nicht für jede Anwendung eine neue Benutzeroberfläche verstehen müsste. Insbesondere wenn der Knopf für die Bestätigung einer Eingabe in jeder Anwendung anders angeschrieben ist („OK“, „O.K.“, „OKAY“, „JA“ und einmal mit einem farbigen Häkchen). Die Orientierung an „Standards“ wie Microsoft Office ist daher nachvollziehbar, jedoch bei weitem nicht ausreichend. (Übrigens ist die Bedienung von MS-Office über die Anwendungen nicht einheitlich. Die Funktion „Format übertragen“ ist in Word und Powerpoint unterschiedlich umgesetzt).

Benutzerfreundlichkeit heisst: Orientierung am Benutzer

1998 wurden von Dr. Clare-Marie Karat (damals Mitarbeiterin am IBM Thomas J. Watson Research Center) die Grundrechte von Computernutzern formuliert (The Computer User’s Bill of Rights). Der erste Grundsatz lautet: „Die Anwenderin/der Anwender hat immer recht. Existiert ein Bedienungsproblem, dann ist das System das Problem – und nicht der Anwender.“ Das mag hart und abschliessend klingen (und wir Requirements Engineers mögen Universalquantoren nicht). Es ist jedoch klar, was hier gemeint ist: Anwendungen müssen gebaut sein, dass sie auf die Fähigkeiten und das Wissen der Anwenderinnen und Anwender ausgerichtet sind. Und wenn die Benutzer Probleme mit der Bedienung haben, gilt es das (ERP-)System so anzupassen, dass die Benutzerfreundlichkeit (!) gegeben ist.

Konkret und messbar

In der ERP-Evaluation gilt es, die Anforderungen an die Anwendung in Bezug auf die Bedienung (wie andere Anforderungen auch) konsistent und prüfbar zu dokumentieren sowie abzustimmen. Und man sollte die Lösung nicht vorwegnehmen. Es ist alles andere als hilfreich, im Detail vorzuschreiben, wie Masken auszusehen haben. Damit betreibt man überproportionalen Aufwand und nimmt den ERP-Anbieter die Chance ihre (vielleicht sogar bessere) Lösung einzubringen.

Benutzerfreundlichkeit wird in der ERP-Evaluation mehrfach relevant

Die Benutzerfreundlichkeit ist bei der ERP-Evaluation mehrfach relevant, vor allem jedoch bei der Ermittlung der Anforderungen und in der Hauptevaluation

Wie man Anforderungen an die Benutzerfreundlichkeit ermitteln kann, zeigen wir im nächsten Beitrag.

Veröffentlicht am 29. Mai 2014
1 Kommentar

[…] Diese Punkte werden heutzutage als selbstverständlich vorausgesetzt (Basisfaktoren). Sie ermöglichen den Anwenderinnen und Anwender ein effizientes Arbeiten und sind die Voraussetzung für eine gesunde Zufriedenheit der ERP-User. Zeigt Ihnen Ihre ERP-Anbieter, dass man in seiner Lösung seit neustem die Masken abhängig von der Rolle des Anwenders darstellen lassen kann, hat er sein ERP-System gerade auf  den Mindeststand gebracht. Benutzerfreundliche ERP-System verfügen nicht nur über durchdachte Masken sondern ein Gesamtkonzept, das sich an den Anforderungen der Anwenderinnen und Anwender orientiert. […]

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