Benutzerfreundlichkeit von ERP-Systemen (1)

Das Wort „Benutzerfreundlichkeit“ hat in Zusammenhang mit ERP-Systemen etwas Humorvolles. Sie gibt an, wie freundlich ein ERP-System zu seinen Anwenderinnen und Anwendern ist. Tatsächlich sind ERP-Systeme nicht für ihre ergonomische Masken und Bedienoberflächen bekannt. Das englische „Usability“, also die Gebrauchstauglichkeit, ist pragmatischer ausgerichtet und zudem anwenderorientiert.

Benutzerfreundlichkeit im Vergleich

Böse Zungen behaupten, dass ERP-Anwenderinnen und -Anwender den Umgang mit ERP-Systemen nur tolerieren, weil sie dafür bezahlt werden. Der Vorwurf  ist sicher nicht unbegründet. Denn vergleicht man ERP- mit CRM-Systemen wird man das Gefühl nicht los, dass die Entwickler von CRM-Lösungen der guten Bedienbarkeit in der Entwicklung mehr Gewicht einräumen, als die meisten ERP-Hersteller. Bei den CRM-Systemen finden sich vermehrt Konzepte wie die Zwei-Klick-Strategie oder Wizzards, die die Anwender durch verschiedene Masken führen. Woran das liegt, vermag ich nicht zu beurteilen.

Auch moderne Webanwendung wie Google-Mail oder WordPress verfügen über Bedienoberflächen die komfortabler sind als so mancher Rich-Client eines ERP-Systems. Daher ist nachvollziehbar, dass viele Anwenderinnen und Anwender nicht erfreut sind, wenn das System in der Arbeit in punkto Benutzerfreundlichkeit nicht an das heranreicht, was sie aus dem Privatleben kennen.

Die Benutzeroberfläche WordPress: Webanwendungen sind in Bezug auf die Benutzerfreundlichkeit heute weit entwickelt

Die Benutzeroberfläche von WordPress

Selbstverständlich hinkt der Vergleich. Denn an ERP-Systeme werden ganz andere und insgesamt höhere Anforderungen gestellt. Dennoch spielt die Benutzerfreundlichkeit eine wesentliche Rolle bei der Akzeptanz der ERP-Systeme.

Zudem hat sie Einfluss auf die Gesamtkosten einer Lösung. Lesenswert ist in diesem Zusammenhang die Diplomarbeit von Katrin Kneissl (2006) an der der Leopold-Franzens-Universität in Innsbruck .

Innen- und Aussensicht

ERP-Hersteller sind sich der eigenen Mankos oft nicht bewusst. Sie sind das eigene GUI seit Jahren gewohnt, kennen es in- und auswendig und häufig fehlt ihnen der Vergleich mit bessern Lösungen. Allerdings sei auch erwähnt, dass es unter den ERP-Anbietern einige zu lobende Ausnahmen gibt. Sie machen sich nicht nur bei Neuentwicklungen Gedanken darüber, wie die neuen Funktionen benutzerfreundlich präsentiert werden können. Sie passen ihre Grundkonzept immer wieder neu an, wenn es sein muss, durch eine komplette Überarbeitung der Bedienoberfläche.

Es stellt sich die Frage, wie Benutzerfreundlichkeit für eine ERP-Evaluation greifbar gemacht werden kann. Dazu im nächsten Beitrag mehr.

 

 

Veröffentlicht am 27. Mai 2014
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