ELS – Ressourcen Planung für Einsatzkräfte

Die Ressourcen Planung von Einsatzkräften stellt höchste Ansprüche an die Disponenten wie auch an die unterstützende ELS- Software. Unabhängig ob die Einsatzkräfte der Polizei, der Rettung, der Feuerwehr oder der technischen Dienste disponiert werden, die Disposition muss innert Sekunden erfolgen. Durch die hohen Anforderungen betreffend der Verfügbarkeit und Stabilität, des Integrationsgrads und des 24 Stunden rund um die Uhr Betriebs kann bei ELS von höchst komplexen Systemumgebungen gesprochen werden.  In diesem Beitrag berichte ich über einige Herausforderungen auf dem Weg zum einsatzbereiten ELS.

ELS haben wir schon

Bereits heute und wahrscheinlich seit vielen Jahren werden die Einsatzkräfte disponiert. Damit verbunden ist eine sehr hohe Routine der vielfach langjährigen Mitarbeiter in der Disposition, meistens Einsatzzentrale genannt.  Also warum etwas Neues, wenn es doch heute auch funktioniert? Und auch aus der Sicht der Führung können Bedenken angemeldet werden. Budgetierung, Projektaufwände, Verunsicherung des Personals und eine Vielzahl von zu klärenden Fragestellungen aufgrund der damit verbundenen, neuen Anwendungsmöglichkeiten. Um nur ein Beispiel dazu zu erwähnen sei die Personen und/oder Fahrzeug Verfolgung über GPS-Empfangsgeräte aufgeführt. Hinweis für den nicht so tief mit dem Thema vertrauten Leser: Heute werden üblicherweise Positionen der Einsatzkräfte alle 6 bis 10 Sekunden übermittelt. Mit der Aufzeichnung der Positionen können so sehr genaue Bewegungsprofile dokumentiert und analysiert werden. Ein ELS haben wir schon, wollen wir den Schritt zu einem modernen und zeitgerechten ELS tatsächlich wagen?

Schon einen Schritt weiter waren wir am 09. Juni 2009 als die Kantonale Notrufzentrale in St.Gallen in Betrieb genommen wurde. Darüber wurde auch in den Medien berichtet. Wie kann man vorgehen, wenn der Wille, oder manchmal auch der Druck, gross genug ist einen Schritt weiter zu gehen und ein ELS Projekt zu starten?

Wie ein ELS Projekt aufgesetzt werden kann

Neben den bekannten und üblichen Projektmanagement Themen gilt es bei einem ELS Projekt bereits zu einem frühen Zeitpunkt weitere Themen anzugehen. Beispielsweise wäre da die DIN EN 50518 Norm zu erwähnen. Diese regelt die Anforderungen in Europa an ein ELS in den Bereichen Bau, Technik und Organisation. Oder der Bereich der Geschäftsfortführung im Störungs- oder sogar Katastrophenfall, oft auch Business Continuity Management (BCM) genannt.  Steht ein Alternativstandort zur Verfügung und welche Geschäftsprozesse müssen durch das ELS an diesem zweiten Standort sichergestellt werden? Und Fragen Sie dann endlich auch den Anwender des neuen ELS bekommen Sie Rückmeldungen zu Themen wie Arbeitsergonomie, Klima, Lärm, Laufwege, Grossbildanzeige, Anzahl Monitore oder Umkleideräume. Eher klassisch und bekannt wirken da die Fragen zu den Schnittstellen, dem Aufwand zur Datenpflege, der Telefon- und Funkintegration, der Test- und Integrationsumgebung, der IT-Fachkompetenz oder die öffentliche Beschaffung. Um einen Projekterfolg sicherstellen zu können, müssen alle diese Themen frühzeitig, transparent und mit dem notwendigen Detaillierungsgrad angegangen werden.

ELS Konzept und Realisierung

Im Mittelpunkt der Konzept Phase stehen die ELS Systemanforderungen und die konzeptionelle Erstellung der Systemarchitektur. Zu den ELS spezifischen Funktionsbereiche kommen auch einige klassische – von ERP Software bekannte Funktionen – wie Stammdatenverwaltung oder Dokumentenmanagement hinzu. Erfahrungsgemäss bestehen die grossen Herausforderungen im Bereich der spezifischen ELS Funktionen wie der Anruferkennung und der strukturierten Erfassung der Eingangsmeldungen, der Lagebeurteilung, der Einsatzdisposition, der Beschaffung weiterer Informationen, der permanenten Einsatzüberwachung und Koordination, dem Protokollieren von Meldungen und nicht zu letzt dem Sammeln und Auswerten der wichtigen Informationen. Ebenso muss zu einem frühen ELS Projektzeitpunkt entschieden werden, wie zukunftsfähig die Grundlagen erarbeitet werden sollen. Dazu sind in der Konzeptphase Themen wie Mobilität, Workflow, Bus-Technologie, Virtualisierung, Datenmodell, Geoinformationsdaten, Informationssicherheit, Mandantenfähigkeit und einige Weitere zu berücksichtigen. Spätestens an diesem Punkt wird ersichtlich, wie komplex ein ELS zur Ressourcen Planung für Einsatzkräfte ist. Ein korrekt und professionell aufgesetztes Projektmanagement und eine hohe Unterstützung der Führung sind zwingend notwendige Basisfaktoren.

Nicht vergessen: frei zugängliche Informationen

Abschliessen möchte ich diesen Beitrag mit einem Blick auf ergänzende Informationen und für einen Einsatz relevante Daten, welche über öffentliche Medien zur Verfügung gestellt werden. Während dem Hochwasser 2013 in Deutschland standen Informationen in Echtzeit über Google Maps zur Verfügung. Pegelstand, aktuelle Video und Fotoaufnahmen, Warnungen, Hilfsangebote und einiges mehr wurde durch die Bevölkerung hochgeladen und als Information gratis zur Verfügung gestellt. Die aktuelle Verkehrslage kann mit Webcams, Google Maps und Radiomitteilungen ergänzt und vervollständigt werden. Pegelstände, Gefahrenbulletin und Prognosen stehen ebenso öffentlich zur Verfügung wie die rasche Reaktion auf Ereignisse auf sozialen Kanälen wie Facebook, Twitter oder Google+.

Es gibt schon seit Jahren keine getrennten Informationswelten (Behörde und Öffentlichkeit) mehr. Dieser Aspekt soll bei Erweiterungen und Neueinführungen von ELS Umgebungen gefördert und höher gewichtet werden. Werden diese Aspekte bei einer ELS Planung und Erweiterung berücksichtigt, werden gute Voraussetzung geschaffen um die Ressourcen Planung der Einsatzkräfte optimal zu unterstützen.

Photo: Der Autor in der damaligen Funktion als Projektleiter zur Einführung des neuen ELS in St. Gallen. Bild von Herrn Hansruedi Wieser aufgenommen, publiziert im St. Galler Tagblatt am 28.02.2009.

Veröffentlicht am 28. August 2014

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