ERP-Berater: was ist ein guter Berater (1)

ERP-Berater unterwegs zur Mondlandschaft

ERP-Berater gibt es viele. Nicht immer ist klar, was ihre Qualitäten sind und ob ihr Vorgehen fundiert ist. Achten Sie auf Transparenz und Nachvollziehbarkeit der Leistungen! Das gilt ja nicht nur für ERP-Berater.

Der Expertentipp

Im Sommer 2013 war ich auf Teneriffa im Urlaub. Um die fantastische Natur zu erleben und den die Rolle als ERP-Berater vorübergehend abzustreifen, war ich viel zu Fuss unterwegs. Eines Tages wanderte ich vom kleinen Ort Vilaflor über Paisaje Lunar auf den 2688m hohen Guajara-Gipfel. Das sind 1300 Höhenmeter. Natürlich musste ich dies nach der Gipfelbesteigung wieder runter. Als ich etwa 4 km von meinem Startpunkt entfernt war, hatte ich noch etwa eine Stunde Zeit bis es dunkel wurde.

Blick vom Guajara

Ich traf auf drei Ranger. Sie waren mit Rucksack, Wanderstöcken und Stirnlampen in die Gegenrichtung unterwegs. Sie hatten offizielle Ranger-Kleidung an. Einer sprach mich an. Er wollte wissen, ob ich alleine unterwegs sei, wo ich her käme, wo ich hinwollte usw. Sie waren unterwegs um einen Posten für ein Rennen einzurichten.

Einer der Ranger empfahl mir, aufgrund der fortgeschrittenen Zeit nicht den Weg zu nehmen, den ich am Morgen aufgestiegen war. Sondern ich solle, wenn ich zu seinem Jeep käme, rechts abbiegen, immer dem Weg folgen bis ich auf die Hauptstrasse käme. Von dort seien es noch zwei Kilometer bis zu meinem Auto in Vilaflor.

Mich erstaunte der Tipp etwas. Schliesslich hatte ich das Gefühl schon fast am Ziel zu sein. Also fragte ich nochmal nach, ob ich wirklich rechts abbiegen solle um nach Vilaflor zu gelangen. Alle drei Ranger bejahten. Also tat ich wie mir geheissen.

Die Umsetzung

Ich wanderte weiter, traf auf den besagten Jeep und bog rechts ab. Der Weg  führte bergauf (!) in ein Tal. Zügig und in Erwartung der bald auftauchenden Hauptstrasse folgte ich ihm. Er führte wieder aus dem Tal heraus. Ich traf jedoch nicht auf die Hauptstrasse sondern hatte in das nächste Tal zu wandern. Was ich tat, weit konnte es ja nicht mehr sein. Nach dem ich auch dieses Tal durchwandert hatte, kam das nächste.

Natürlich hatte ich schon lange überlegt umzudrehen. Aber da es 1. nicht mehr weit sein konnte und ich 2. den Tipp von einem lokalen Experten bekommen hatte, lief ich weiter.

Um es kurz zu machen: es war stockdunkel lange bevor ich auf die Hauptstrasse traf. Ich durchquerte ca. 15 Täler bis ich endlich auf die Hauptstrasse traf. Von der Hauptstrasse zu meinem Auto waren es nicht zwei sondern nochmal vier Kilometer (ich hab’s auf der Karte nachgemessen). Insgesamt bin ich einen Umweg von 7.8km gelaufen (11,8km statt der 4km). Ich war nach 2600 Höhenmetern und der Multi-Tal-Belastung sehr müde und an diesem Abend sehr sauer auf alle Park-Ranger in Teneriffa.

Schlussfolgerung als ERP-Berater

Im Nachhinein nimmt man so etwas lockerer. Aber ich habe mir überlegt, was man daraus für Lehren ziehen kann, z. B. in Bezug auf ERP-Berater. Sie werden sagen, es sei doch klar, dass ich den ursprünglichen Weg hätte nehmen müssen. Aber im Nachhinein ist das immer einfach. Hätten Sie gegen die Anweisung der Ranger gehandelt?

Wir übernehmen als ERP-Berater immer wieder Projekte die heillos verfahren sind. Seien es ERP-Evaluationen oder -Einführungen. Die Ursachen für die Situation sind meist vielschichtig und der Kunde ist selten unbeteiligt. Man sollte das, was die Experten einem raten immer zumindest grob verstehen und ein gutes Bauchgefühl dabei haben. Zertifizierungen in den Relevanten Bereichen (z. B. Projekt Management, Requirements Engineering) sind ein Hinweis auf fundiertes Wissen, eine Reihe nachweislich erfolgreich umgesetzter Projekte (Kundenreferenzen) ein guter Indikator für vorhandene Erfahrung. Sebstentwickelte Gurumethoden sind bei Projekten dieser Reichweite fehl am Platz und ein durchgeführtes Grossprojekt reicht nicht aus um von Erfahrung sprechen zu können.

Veröffentlicht am 3. April 2014

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