„Der ERP-Markt steht vor einer Konsolidierung“

ERP-Markt-Konsolidierung

Diese Aussage ist vermutlich fast so alt wie der ERP-Markt selber. Und sie birgt für den Weissager wenig Risiko. Denn Veränderungen am Markt sind mittlerweile normal. So richtig eingetreten ist sie jedoch nie. Am ERP-Markt wird es substanzielle Veränderungen geben. Dabei werden die ERP-Anbieter die Nase vorne haben, die Ihren Kunden das Leben so einfach wie möglich gestalten.

ERP-Anbietern: Grösse und Geschwindigkeit

Die grossen ERP-Anbieter haben einen klaren Vorteil. Sie verfügen über mehr Ressourcen, Mittel und Knowhow als viele mittlere und kleine ERP-Hersteller es sich leisten können. Dadurch können sie mehr investieren in neue Technologien und Entwicklungen, die aufgrund des technischen Fortschritts notwendig sind. SAP hat dies mit der Entwicklung von HANA, Microsoft mit dem Neubau von Dynamics AX, IFS und andere mit der Überarbeitung der mobilen Anwendungen und Sage mit der Cloud-Lösung gezeigt.

Aber diese Entwicklungen haben ihren Preis. Und die mehrheitlich mittelständischen Unternehmen in der Schweiz stellen sich die Frage, ob ihnen die getätigten Entwicklungen den gewünschten Nutzen bringen. Schliesslich entwickeln auch die kleinen und mittleren ERP-Anbieter ihre Produkte laufend weiter. Dass es hier Unterschiede in Art und Umfang gibt, ist klar. Dass hier der eine oder andere ERP-Anbieter nicht mehr genug Neukunden aufbringen wird, ist ebenfalls klar. Aber das gab es auch schon in der Vergangenheit. Ob die vorhergesagte Konsolidierung aufgrund des technologischen Wandels oder der Grösse eintreten wird, bleibt zumindest offen. Denn noch entstehen laufend neue ERP-Anbieter mit frischen Ideen. Und bevor Schweizer KMUs in Hyper Performance Analyse investieren, haben sie einige andere Herausforderungen zu meistern. Und ERP-Cloud-Lösungen gab es schon vor dem grossen Wurf von Sage und Microsoft.

ERP-Systeme: Alles ist möglich

Kunden stehen vor der Herausforderung, dass ERP-Systeme kaum voreinander zu unterscheiden sind (Daher stammt vermutlich auch der Ausdruck „Standardsoftware“). Zwar gibt es teilweise Ausrichtungen auf Industrien, Branchen, Teilbranchen und Kundengrössen, die meisten ERP-Anbieter können mit ihren Lösungen (aus ihrer Sicht) jedoch fast alles. Und so verkaufen Sie auch Ihre ERP-Produkte. Zur Not wird da noch ein Subsystem eingebunden oder dort noch eine Entwicklung vorgenommen, selbstverständlich ohne Einbussen bei der Releasefähigkeit.

Echte Innovationen sind am ERP-Markt dagegen eher rar gestreut. Die Funktionalität der Systeme wächst sowohl in die Tiefe als auch die Breite.

Was wird sich im ERP-Markt ändern?

Der technische Fortschritt und neue Technologien werden den Markt weiter verändern. Die Technologien werden jedoch eine untergeordnete Rolle spielen. Der Einsatz neuer Technoligen wird für ERP-Anbieter wichtig sein. Im ERP-Markt Erfolg haben wird jedoch, wer es dem Kunden wirklich einfach macht. Und dazu sind nicht nur und nicht immer Technologien notwendig sondern vor allem Konzepte, Geschäftsmodelle und Prozesse.

Dass die heranwachsende Generation einfachere Systeme erwartet weil sie es gewohnt ist, sich schnell, einfach und mobil im Internet zu bedienen ist zwar richtig. Viel entscheidender wird jedoch sein, dass sich Organisationen in der Schweiz keine aufwendigen Systeme mehr leisten werden. Nicht weil sie es nicht wollen oder nicht können, sondern weil die Einfachheit verfügbar wird. Dazu ein paar konkrete Beispiele:

ERP-Lizenzmodelle

Sie können heute verschiedene Systeme per Mausklick und Kreditkarte in Betrieb nehmen. Das können Einzelplatzlösungen aber auch Systeme sein, mit denen mehrere Anwender bis hin zu ganzen Arbeitsgruppen und Organisationen arbeiten. Sogar Kunden und Lieferanten können eingebunden werden (z. B. Collaborationstools). Sie setzen keinen Server auf und bezahlen eine monatliche oder jährliche Gebühr. Wenn Sie mehr von dem System benötigen (mehr User, mehr Funktionalität) bezahlen sie mehr, wenn sie weniger benötigen (z. B. weniger User) bezahlen sie weniger.

Im Gegensatz dazu gibt es in der ERP-Welt Modelle, bei denen Sie einmalig Lizenzen kaufen. Sie müssen drei verschiedene Lizenztypen (z. B. Voll-Lizenz, Teil-Lizenz und BDE-Lizenz) Ihren Anwendern zuordnen. Wenn Sie mehr Lizenzen brauchen, kaufen Sie zusätzliche, wenn Sie weniger Lizenzen benötigen, behalten Sie die gekauften Lizenzen.

Nun kann man einwenden, dass ERP-Software etwas anderes ist als Tools für Collaboration, Projektmanagement oder Videomeetings. Das ist korrekt. Aber das ist nicht der Punkt. Denn es gibt bereits einfachere und flexiblere Lizenzmodelle für ERP-Systeme. Wer es seinen Kunden einfach macht, die Lizenzen zu verwalten und an Veränderungen im Unternehmen anzupassen, gewinnt. In Zukunft wird es mehr ERP-Anbieter geben, die Ihren Kunden einfache und flexible Lizenzmodelle anbieten, unabhängig von den darunterliegenden Technolgien wie Cloud-Computing.

Wartung & Support

Viele Kunden bezahlen je eine Gebühr für Support und Wartung ihrer ERP-Software. Damit finanziert der ERP-Anbieter seine Supportorganisation sowie die Weiterentwicklung der ERP-Software. Und das ist gut so. Denn ein guter Support und eine ERP-Software, die sich in Bezug auf Technologie und Anforderungen weiterentwickelt, sind wichtig für den Erfolg der Kunden.

In der Regel basiert die Höhe der Support- und Wartungsgebühren jedoch auf den Lizenzgebühren. Diese werden wie oben beschrieben bei vielen Modellen bei der Einführung des ERP-Systems festgelegt. Da Lizenzen normalerweise nicht zurückgegeben werden können, bleiben auch Support- und Wartungsgebühr unverändert, wenn sich die Anzahl der User reduziert. Es sei denn, der ERP-Anbieter ist kulant und passt die laufenden Kosten an. Dazu braucht es jedoch eine Anfrage des Kunden.

In Zukunft wird es vermehrt ERP-Anbieter geben, die eine einfache und flexible Anpassung der laufenden Kosten an die Situation des einzelnen Kunden anbieten. Sie werden ihre ERP-Lösung mit Tools ausstatten, die die Kunden bei der Verwaltung der Lizenzen unterstützen. In vielen Bereichen der IT ist dies bereits heute üblich (z. B. Bezahlung der Gebühren in Abhängigkeit der eingesetzten Prozessorkerne).

ERP-Software- und Datenkonzept

Unternehmen verändern sich. Sie wachsen oder verkleiner sich. Es werden Teile verkauft oder hinzugekauft, es wird ein- und ausgegliedert. Und es gibt grundlegende Veränderungen. Die ERP-Software muss dies zu einem grossen Teil mitgehen können. Zwar betonen ERP-Anbieter an dieser Stelle die „Mandantenfähigkeit“ ihrer ERP-Software. Aber benötigt wird mehr. Dass es Veränderungen in einem Unternehmen geben wird, muss durch das Projektteam bei der Einführung berücksichtigt werden. Das Softwarekonzept muss die Einbindung zusätzlicher Module und fremder Applikationen so leicht wie möglich machen, so dass Kunden schnell auf neue Anforderungen reagieren können. Die Datenstrukturen in den ERP-Systemen müssen so angelegt werden, dass sie sich auch in zukünftigen Situationen einwandfrei nutzen lassen.

In Zukunft wird es im ERP-Markt mehr Anbieter geben, die nicht nur eine ERP-Lösung bereithalten, die die Veränderungen von Unternehmen mitgehen, sondern auch die dafür benötigten Tools und Methoden einbringen. Sie werden dezentrale Strukturen noch besser unterstützen sowie über eigene Module oder über abgestimmte Tools einfach spezifische Anforderungen abdecken können.

Releasefähigkeit

Grosse ERP-Releases wird es auch in Zukunft geben, ERP-Anbieter werden Software grundlegend überarbeiten müssen, um neue Technolgien umzusetzen und Datenstrukturen anzupassen. Aber die Anzahl der grossen Releases wird deutlich zurückgehen. Denn viele ERP-Anbieter haben hier investiert. Kunden werden häufiger und mehr kleine Releases (Micro-Releases) einspielen um Ihre ERP-Software auf den aktuellen Stand zu bringen. Daher wird die Releasefähigkeit der ERP-Lösungen an Bedeutung gewinnen. Unternehmen werden den Aufwand, den sie für die Implementierung eines ERP-Release benötigen, genauer kontrollieren, vergleichen und optimieren. Daher wird es ERP-Anbieter geben, die Ihre Lösung hinsichtlich der schnellen Erneuerung optimieren.

Eine Frage der Haltung des ERP-Anbieters

Schweizer ERP-Kunden brauchen praktikable und rentable ERP-Lösungen. Dabei geht es um mehr als Softwaretechnologie. Es geht um die Haltung des ERP-Anbieters und wie er diese in der Praxis umsetzt. Statt nach Übersee zu fliegen um an der Präsentation des neuen Turbo-ERPs teilzunehmen, wollen Schweizer KMUs ERP-Anbieter, die sie weiter bringen und zuverlässige sowie flexible Lösungen anbieten. Auch nach Abschluss einer Einführung soll sich das ERP-System, die Lizenzen, die laufenden Kosten, das Software- und das Datenkonzept anpassen lassen. Damit sind nicht nur Anpassungen an neue Anforderungen sondern auch und gerade die der Effizienz und der Kosten im und um die ERP-Lösung im Fokus.

Veröffentlicht am 1. September 2015
2 Kommentare

[…] bereits kurzfristig enorm ausbauen. In der traditionellen Kette kommt es zwangsweise zu einer Konsolidierung, nicht nur im wertschöpfenden Sektor, sondern auch im „Enabler“-Markt für […]

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