Der optimale ERP-Projektleiter

Mit dem Titel der optimale ERP-Projektleiter muss ich mich ganz heftig entschuldigen, natürlich muss auch die ERP-Projektleiterin im selben Atemzug genannt sein. Selbstverständlich steckt in der Frau mindestens gleichviel Potential auf dem Weg zur optimalen ERP-Projektleiterin. In den vergangenen, guten 15 Jahren als Projektleiter habe ich leider nur ganze vier Frauen in dieser Rolle angetroffen. Da ich nun im weiteren Verlauf dieses Blogs mit „der optimale ERP-Projektleiter“ auch alle Frauen einbezogen sehen will, biete ich diesen vier Frauen jetzt und an dieser Stelle als Entschuldigung schon mal eine kleine Wiedergutmachung an. Wenn das nun keine Aufforderung zu einem Blog-Kommentar ist, … . Und warum mache ich es mir nicht einfach und stelle den Blog unter den Titel „die optimale ERP-Projektleitung“? Ganz einfach, ich beabsichtige ganz bewusst die Projektverantwortung zu personifizieren.

Als ERP-Projektleiter …

… übernehme ich Verantwortung für das Projektergebnis. Ich als Projektleiter muss – um erfolgreich zu sein – das festgesetzte Projektergebnis zum definierten Zeitpunkt erreichen. Ich darf nicht davon ausgehen (was ja auch ziemlich naiv wäre), das mein Umfeld – und insbesondere auch meine direkt vorgesetzte Stelle – das Projekt so gut kennt wie ich. Daraus könnten wir schliessen, dass auch nur ich als ERP-Projektleiter wissen kann, was dem Projekt wirklich gut tut und was ihm fehlt. Wenn ich diese Kenntnisse habe, dann lege ich fest, was ich alles benötige um die gesetzten Ziele erreichen zu können. Empfinden Sie diese Worte als „hart“ ? – ich meine ja – „hart aber notwendig“. Als ERP-Projektleiter sind Sie oft in einer Stabsstelle tätig, wenn Sie Pech haben sogar noch irgendwo in der Hierarchie soweit unten, dass nur schon der Weg bis zum CEO ein kleines Projekt bedeuten kann. Zudem erzählen Ihnen nicht selten Projektmitarbeiter so Sachen wie:

  • „ich muss ja auch noch das Tagesgeschäft erledigen“
  • „da muss ich zuerst noch meinen Chef fragen“
  • „da ist die Personalabteilung zuständig“
  • „das war halt schon immer so, und wir haben uns daran gewöhnt“
  • „ich fühle mich wohl wie es ist, wir sollten dies und das nicht verändern“

Wie reagiert der erfolgreiche ERP-Projektleiter auf solche Rückmeldungen? Und ohne formale Macht?

Er geht konsequent, direkt und positiv voran. Dies bedeutet, Probleme unmittelbar anzugehen (ich habe mir hier den Satz „Störungen haben Vorrang“ eingeprägt), Konflikte anzusprechen, sich nicht mit solchen Aussagen abzufinden oder zufrieden zu geben. Und … konsequent ab dem Projektstart. Der optimale ERP-Projektleiter akzeptiert keine lösungsfreie Befreiungsversuche – Nein!

Wege suchen und finden, Wege aufzeigen und die Betroffenen zu Beteiligten machen – das ist der richtig erfolgsversprechende Weg. Gewiss, mit diesen Ansätzen können Sie problemlos in einen Konflikt mit Ihrem Vorgesetzten geraten. Und genau hier liegt der entscheidende Moment im Projekterfolg. Hier entscheidet sich, ob Sie als ERP-Projektleiter den nötigen Rückhalt, den wohlwollenden Vertrauensvorschuss, die sinnvollen Kompetenzen, die passende Aufmerksamkeit und nicht zuletzt die richtigen Ressourcen bekommen. Ein erfolgreicher ERP-Projektleiter nimmt sich insbesondere auch seinem Umfeld und den Rahmenbedingungen an.

… und wo bleibt der Teamgedanke?

Die bisherigen Ausführungen sind (auch bewusst) stark auf die einzelne Person – auf den ERP-Projektleiter – fokussiert. Ein erfolgreicher ERP-Projektleiter setzt ganz klar auf die Leistungsvorteile von Arbeitsgruppen. In zahlreichen Untersuchungen fand man heraus, das in einigen Bereichen die Arbeitsgruppe einen eindeutigen Leistungsvorteil gegenüber der Summe von Einzelleistungen aufweist [Quelle: Dr. phil. Jürgen Wegge, Führung von Arbeitsgruppen, ISBN 3-8017-1820-4]. Neben den effizienzorientierten Vorteilen sind insbesondere auch die sozialen und emotionalen Chancen wie Kontakt, Geborgenheit, Sicherheit, Solidarität und Identität zu erwähnen. Als erfolgreicher ERP-Projektleiter kann ich auf ein leistungsstarkes Projektteam zählen, dieses zeichnet sich aus durch:

  • unbürokratisches, entspanntes und engagiertes Klima
  • Zustimmung zu klaren Aufgaben und Zielen
  • verbindliche Abmachungen
  • spontane, offene und in alle Richtungen fliessende Kommunikation
  • Akzeptanz von unterschiedlichen Meinungen und aktive Konfliktlösung

Ob die Beziehung im Projektteam in diesem Sinne gestaltet wird, kann wesentlich vom Projektleiter beeinflusst werden. Dazu finden sich in der Literatur die vier Kategorien Akzeptanz, Information, Ziele(e) und Leistungskontrolle [Quelle: Thomas Steiger, Erich Lippmann, Handbuch angewandte Psychologie für Führungskräfte, ISBN 3-540-43515-8]. Zur positiven Beeinflussung dieser vier Kategorien sind geeignete Strukturen für das Projekt sehr entscheidend. Dabei stehen die Fragen der eigentlichen Projektstruktur und die Einbettung des Projekts in die Stammorganisation im Zentrum. Der erfolgreiche ERP-Projektleiter nimmt sich auch diesen Fragen an. An dieser Schnittstelle treffen aufeinander:

  • Verwaltung und Steuerung vs Führung
  • Anweisungen vs Kommunikation
  • Autorität vs Kollaboration
  • Abteilungen und Bereiche vs Zellen und Teams
  • Routine und Fleiss vs Dialog und Ideen
  • Bürokratie vs Gruppendruck

[Quelle: Niels Pfläging, Silke Hermann, Komplexithoden, ISBN 978-3-86881-586-3]

ERP-Projektleiter als Schlüsselrolle

ProjektausbildungWie die Rolle des ERP-Projektleiters interpretiert wird, hängt in entscheidender Weise vom Verständnis für diese Rolle ab. Ich sehe den ERP-Projektleiter in der Führungsrolle und auf keinen Fall in der eines Administrators, Verwalters oder Berichterstatters. Der optimale ERP-Projektleiter steuert die Beziehungen im Projekt und zum Projektumfeld (also auch mit der Stammorganisation). Er gestaltet die Kommunikation aktiv und transparent, er organisiert, ermöglicht, überzeugt, motiviert und setzt sich durch. Er scheut keine Konflikte, agiert kooperativ und fühlt sich für das Projekt verantwortlich.

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Veröffentlicht am 7. März 2016

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