ERP-Software = Standardsoftware?

ERP-Systemanbieter in der Schweiz

Unternehmen sind erfolgreich, weil sie sich von anderen unterscheiden und damit Ihren eigenen Kundenkreis gefunden haben. Diese Unterschiede wirken sich auch auf die Anforderungen an eine ERP-Software aus.  Eine ERP-Software, die für die eine Firma optimal passt, kann für eine andere die völlig falsche Wahl sein weil diese andere Anforderungen hat. Das sieht man am Markt für ERP-Software auf dem viele verschiedene ERP-Lösungen angeboten werden. Stellt sich die Frage: Was ist „Standardsoftware“?

ERP-Software: Dinosaurier aus den Anfängen der IT?

Die ersten ERP-Systeme entstanden in den 90er-Jahren, je nach Definition auch schon früher. Die Vorläufer wurden bereits in den 60er-Jahren zur Unterstützung die Lagerverwaltung entwickelt. Ein Computer war damals eine Grossinvestition (was Preis und Ausdehnung des Rechners betrifft).

Seither hat sich viel getan. Die IT und damit auch die Welt der ERP-Software hat eine unvorstellbare Entwicklung durchgemacht. Nicht nur die ERP-Produkte haben sich entwickelt sondern natürlich auch der ERP-Markt.

Trotz dieser, für die IT-Welt sehr langen Geschichte besteht nach wie vor eine erstaunliche Vielfalt an ERP-Produkten. In der Schweiz stehen Interessenten ca. 300 ERP-Lösungen zur Auswahl. (Eine Übersicht der ERP-Systeme und ERP-Anbieter und  finden Sie auf diese Homage). Dabei überrascht es noch mehr, dass schon bei grob formulierten Anforderungen viele Unterschiede erkennbar werden. Bei genauerer Betrachtung werden dies Unterschiede noch deutlicher. Für die Anwenderinnen und Anwender sind diese Unterschiede oft weit wichtiger als zunächst angenommen. Oft werden ganz spezifische Funktionen benötigt um das Tagesgeschäft einer Firma erfolgreich abzuwickeln. Erfolgreich heisst: besser als andere. Während eine bestimmte Funktion bei der einen Lösung im Basispaket mitgeliefert wird, ist sie bei anderen nur optional verfügbar, bei weiteren gar nicht vorgesehen.

Flexibilitätswunder ERP-Software

Hinzu kommt, dass eine moderne ERP-Software sich sehr gut an Anforderungen verschiedenster Interessensgruppen (sog. Stakeholder) anpassen lassen.  Über Parametrierung wird die ERP-Software in der Basis auf die Anforderungen des Kunden ausgerichtet. Im sog. Customizing werden beispielsweise Datenbank, Workflows, Dokumente und die Oberfläche so eingestellt, dass sie ihren Zweck im Sinne der Nutzer bestmöglich erfüllen. Das ist noch nicht alles: spezialisierte Systeme wie für das  Dokumenten-Management oder die Verwaltung von Tickets eingebunden oder gar vollständig integriert werden. Und über Schnittstellen werden Daten mit bestehenden System ausgetauscht.

Auch bei der Architektur der ERP-Software hat eine Organisation heute ausgezeichnete Wahlmöglichkeiten. Sie ist wichtig in Bezug auf das vorhandene IT-Knowhow, die Skalierbarkeit des Systems oder auch den Anwendungsbereich einer ERP-Software.  Eine rein browserbasierte Lösung (siehe RIA) kann überall eingesetzt werden und benötigt keine aufwendige Softwareverteilung auf den Client-Rechner. Wo dagegen sehr schnell sehr viele Bestellungen erfasst werden müssen, setzt man dagegen (noch?) eher auf klassische Oberflächen.

Standardsoftware

Rich-Client von Google mit Fenstertechnik

Rich-Client am Beispiel Google: Die Browseranwendung bietet sogar Fenstertechnik

ERP-Software wird oftmals auch als „Standardsoftware“ bezeichnet, vermutlich aus der Annahme heraus, dass ein Teil der benötigten Funktionen in jeder ERP-Software enthalten ist. Doch in Anbetracht der Vielfalt und der Flexibilität der ERP-Systeme wird klar, dass der Standard hier nicht klar definiert ist. Der Begriff suggeriert, dass die Software alles kann und führt somit in die Irre. Ein Teil der ERP-Lösungen versuchen einen möglichst breiten Funktionsumfang abzudecken. Sie schaffen sich somit viele Chancen auf Projekte. Andere konzentrieren sich auf einen abgegrenzten Bereich und verzichten bewusst auf alles was sich ausserhalb befindet. Damit bleibt die Software schlank und der Hersteller kann sich auf das Wesentliche konzentrieren. Hierbei spielt auch das spezifische Knowhow des Projektteams uns das Konzept des Anbieters eine zentrale Rolle. Beide Ansätze haben ihre Berechtigung und sind erfolgreich. Von einem Standard kann hier jedoch kaum gesprochen werden.

Und das ist gut so. Denn die Einzigartigkeit unserer Unternehmen ist ein Erfolgsfaktor. Wer hier versucht eine „Standardsoftware“ von der Stange zu kaufen läuft Gefahr,  das was das Unternehmen ausmacht zu unterschlagen. Ein kaum zu unterschätzendes Risiko. Wer jedoch umgekehrt bereit ist, sich mit den wichtigen Details seiner Organisation auseinanderzusetzen, hat die Chance, die perfekte Lösung oder eine sehr gute Näherung daran zu finden. Nutzen Sie diese Potenzial.

 

Veröffentlicht am 21. November 2013
3 Kommentare

[…] auf über 100 geschätzt. Und das hat seine Berechtigung (Lesen Sie dazu auch unseren Blogbeitrag ERP-Software = Standardsoftware?). Denn die Anforderungen der Schweizer Unternehmen an ein ERP-System sind sehr unterschiedlich. Ein […]

Bernhard Horst Antworten

Sehr informativer Beitrag, herzlichen Dank dafür.

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