ERP-Sourcing statt Cloud-ERP

ERP-Sourcing: CAS Sourcing & Cloud Management ICT und HSG

Eric Scherer gab auf seinem Jahresrückblick für ERP-Anbieter eine pessimistische Einschätzung des ERP-Marktes ab. Das verwundert und kann aus unserer Sicht nur auf eine subjektiv geringe Marktentwicklung zurückgeführt werden. Denn viele ERP-Anbieter konnten in der vergangenen Zeit einige Neuprojekte erfolgreich umsetzen und haben aktuell spannende Evaluationen und Einführungen laufen.Die Bereitschaft, bestehende ERP-Lösungen zu hinterfragen ist vorhanden. Häufig kann gezeigt werden, dass ein Wechsel zu einem modernen ERP-System sinnvoll sowie notwendig ist und rentiert. Viele Unternehmen kümmern sich zudem um die Optimierung ihrer Systemumgebung und erneuern oder integrieren ihr DMS, ihr CRM-System oder auch Teilbereiche wie das Kampagnenmanagement, die Chargenverwaltung oder die Lagerbewirtschaftung. Hintergrund ist zum einen die stete technologische Weiterentwicklung seitens der System-Anbieter in vielen Bereichen. Meist ist die Ursache jedoch schlicht, dass man sich in den Unternehmen in der letzten Zeit wenig Kapazitäten für die Optimierung bereitgestellt hat, da andere Themen höher priorisiert wurden. Die Organisationen sind sich der Potenzials jedoch bewusst und investieren nun in deren Nutzung.

„Cloud-ERP“ als Buzzword

Noch erstaunlicher ist die Wahrnehmung der aktuellen Entwicklung auf dem IT-Dienstleistermarkt. „Cloud“ ist aus Sicht von Herrn Scherer ein Buzzword (ein „Moderwort“) für das sich kein Kunde des Beraters interessiert. Diese Meinung teilte die Computerwoche bereits 2008 nur bedingt. Buzzwords sind Buzzwords solange man sich nicht mit Inhalt füllt. Heute sind wir sechs Jahre weiter . Das ist in der IT eine lange Zeit und bedeutet eine grosse Entwicklung.

Über das Wort „Cloud“ wird viel geschrieben und diskutiert. Die Bedeutung ist nicht klar definiert und Themen wie Serviceumfang, Servicequalität und Datensicherheit bleiben unscharf. Nähern wir uns von der anderen Seite, zeichnet sich ein klareres Bild. Wir verwenden dazu den Begriff „ERP-Sourcing“, was so viel bedeutet wie: Wir machen uns strukturiert Gedanken, welche Leistungen im Bereich ERP wir durch unsere eigene IT erbringen lassen wollen und welche durch einen Dienstleister.

Sourcing von IT-Dienstleistungen

In Industrie und Handel ist es seit langem üblich, Teilprozesse auszulagern. Hintergrund ist schlicht: jemand anders kann es besser oder günstiger und man möchte sich auf die eigenen Stärken konzentrieren können. Dieser Prozess ist schon vor Jahren auch in der IT angelangt. Banken und Versicherung lagern IT-Dienstleistungen aus. Auch Grossunternehmen wie die SBB oder die Post erbringen nicht alle IT-Dienstleistungen selber.  Das heisst nicht, dass man kopflos die ganze IT auslagern soll. Im Gegenteil: es sind klare und sachliche Überlegungen gefragt (welche Leistungen? welche(r) Anbieter?). Aber überlegen sollte man. Denn ein Outsourcing von IT-Dienstleistungen im allgemeinen und ein ERP-Sourcing mit einem kompetenten Partner im speziellen kann handfeste Vorteile bieten.

Auch und gerade für KMU ist es wichtig sich Gedanken zum ERP-Sourcing zu machen. In der IT müssen sehr gut qualifizierte Leute vorgehalten werden um Sicherheit und Servicequalität sicherstellen zu können. Eine Firma mit einer Fachperson in der IT muss sich überlegen, wie die Dienstleistungen während der Ferien oder anderen Abwesenheiten sichergestellt werden kann. Hier kann ERP-Sourcing eine Lösung sein. Der Ansatz ist nicht: „Es gibt ERP in der Cloud, wir machen auch mit“ sondern „Wir überlegen uns aufgrund der Ausgangslage, wie unser ERP-System sicher und kostengünstige betrieben werden kann“.

Diese Entwicklung hat massive Auswirkungen. Der Aufgabenbereich der IT-Verantwortlichen ändert sich von IT-Fachkräften, die Systeme betreiben hin zu IT-Fachleuten die Dienstleister evaluieren und koordinieren. Vor diesem Hintergrund hat die swissICT zusammen mit dem Institut für Wirtschaftsinformatik der Universität St. Gallen den Lehrgang Sourcing & Cloud Management (CAS) lanciert. Auch das kann als Zeichen dafür gewertet werden, dass Cloud und Sourcing über den Status des Hypes bereits hinweg ist.

ERP-Sourcing konkret

Die Angebote im Bereich ERP-Sourcing sind vielfältig und unterschiedlich. Hier einige Beispiele:

  • myfactory bietet ERP als echten Service an. Die Software wird nicht in Form von Lizenzen verkauft sondern als Dienstleistung bezogen. Diese Modell ist Teil des Konzepts von dem nur in Ausnahmefällen abgewichen wird. Zur Auswahl stehen verschiedene Servicemodelle. Gehostet werden die Daten in einem Rechenzentrum der Swisscom. Die Applikation wird durch Fachleute des ERP-Anbieters gewartet.
  • Opacc bietet nach wie vor eine klassische Lizenzierung mit dem Betrieb auf den Servern des Kunden an. Alternativ steht den Kunden die sog. OpaccCloud zur Verfügung. Das System wird hier im Rechenzentrum des ERP-Anbieters gehostet und verwaltet.
  • Ähnliche Möglichkeiten bieten ERP-Anbieter wie Comarch, Sage und weitere. Bei einigen Angeboten werden die Daten im angrenzenden oder fernen Ausland gehostet. Das Mutterhaus betreibt das Rechenzentrum und betreut die Server. Fachliche Fragen zum System werden über den Support in der Schweiz abgewickelt.
  • Auch ERP-Implementierungspartner wie KCS.netBoss InfoitelligenceERPsourcing oder WIKA-Systems haben ERP-Sourcing-Angebote im Programm. Allen Angeboten zugrunde liegt die Idee, IT-Infrastruktur gemeinsam zu verwenden und so Synergien zu nutzen. Einige Implementierungspartner, wie beispielsweise KCS.net, sind dabei ihre Angebote in Richtung Software-as-a-Service oder eben einer sog. Cloud auszubauen.
  • Einen etwas anderen Ansatz wählten Abacus und eNVenta Schweiz wo der Kunden einen (zertifizierten) Hosting-Partner wählt. Diese Möglichkeit steht Kunden letztlich bei allen ERP-Lösungen zur Verfügung sofern die technischen Voraussetzungen seitens ERP-System und Infrastruktur beim Kunden erfüllt sind.

Bei allen Angeboten haben die Kunden mit dem Betrieb von Servern, Backup, Ausfallsicherheit und Zugangssicherung direkt nichts mehr zu tun. In der Regel werden auch Updates und Upgrades vom Anbieter aufgespielt und verwaltet. Mit dem ERP-Sourcing-Partner werden klare Vereinbarungen über den Dienstleistungsumfang und die Konditionen getroffen. Welches Sourcing, d. h. welche Arbeitsteilung zwischen eigener und externer IT die richtige ist und welche Lösung eines Dienstleisters die beste, muss im Einzelfall erarbeitet und beurteilt werden.

Neben der reinen Kostenbetrachtung sind hier die Tatsache, dass man sich auf sein Kerngeschäft konzentrieren und den Umgang mit bestimmten Risiken professionalisieren kann wichtige Perspektiven.

Veröffentlicht am 11. November 2014
1 Kommentar

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