ERP-Vertrag bereits beim ERP evaluieren prüfen

ERP-Vertrag wird im Rahmen der ERP-Evaluation geprüft

ERP-Vertrag muss vor dem Evaluationsentscheid sorgfältig geprüft werden

Die meisten ERP-Projekte sind komplex und treffen den Nerv des Unternehmens. Einerseits, weil Geschäftsorganisation und Prozesse durch die zukünftige ERP-Einführung verändert werden und anderseits weil die Verantwortung der zu erledigenden Aufgaben zwischen ERP-Anbieter und Kunde stets explizit festgelegt werden muss.

Während des Vertragsverhältnisses, sowohl in der ERP-Einführung als auch im ERP-Betrieb, besteht somit eine intensive Zusammenarbeit, deren Regeln klar definiert werden müssen. Nicht alle ERP-Hersteller bzw. ERP-Einführer verfügen über einen klaren, ausgeglichenen ERP-Vertrag, welcher die Regeln der ERP-Projektabwicklung klar wiedergibt: Welches sind beispielsweise die Konsequenzen, wenn die Pflichten des Anbieters nicht termin- oder qualitätsgerecht erfüllt werden? Besteht die Möglichkeit, Schadenersatz einzufordern?

Bereits im Evaluationsverfahren gilt es somit, den ERP-Vertrag für die verschiedenen Phasen der Zusammenarbeit zu prüfen und in der Beurteilung der Systeme / ERP-Anbieter zu berücksichtigen: Konzept ERP-Einführung, Technische Umsetzung, Pilotbetrieb und Rollout sowie ERP-Betrieb. Neben den Rechten und Pflichten bei ERP-Einführung und –Betrieb gilt es, dem Investitionsschutz genügend Beachtung zu schenken: wie lautet die Regelung bei einem Insolvenzverfahren des ERP-Implementators bzw. des ERP-Herstellers? Kann die Software mit dem Source Code im Falle der Liquidation weiter verwendet werden? Ist dabei ein Escrow Agreement für ERP-Software vorgesehen?

ERP-Vertrag-Symbol

Investitionsschutz heisst aber auch, dass gewährleistest wird, erfolgsrelevante und unternehmensspezifische Entwicklungen fürs Unternehmen zu schützen. Unternehmen der gleichen Branche können die Standard-Software grundsätzlich ohne Restriktionen nutzen, die Rechte der individuellen Weiterentwicklungen müssen jedoch beim Kunden bleiben. Ausserdem muss sichergestellt sein, dass die regulatorischen Anforderungen an die ERP-Lösung (vgl. z.B. Swissmedic oder Finma) durch den ERP-Systemanbieter während der gesamten Betriebszeit aktuell gehalten werden.

Fazit

In einem ERP-Projekt geniesst der ERP-Implementator bzw. der ERP-Hersteller de facto eine Monopolstellung. Der Kunde ist gegenüber dem Systemanbieter grundsätzlich stark „ausgeliefert“. Ein nachträglicher Wechsel ist stets mit viel Aufwand, Ärger und Kosten verbunden. Zudem handelt es sich, im Gegensatz zu klassischen Vertragsverhältnissen, bei ERP-Geschäften um sehr spezielle Verträge, bei denen saubere Regelungen für alle Zusammenarbeitskonflikte definiert sein müssen. Aufgrund dieser besonderen Ausganglage gilt es, die oft einseitigen Verträge bereits im Vorfeld sorgfältig zu prüfen.

Veröffentlicht am 7. Januar 2014
2 Kommentare

[…] Es ist durchaus sinnvoll einen Vertrag vor Unterzeichnung durch einen Rechtsexperten prüfen zu lassen. Er kann ihnen jedoch primär zu den rechtlichen Aspekten Hinweise geben. Was für Sie in der Vertragsbeziehung wichtig ist und geregelt gehört, müssen im Wesentlichen Sie festlegen (siehe “ERP-Vertrag muss vor dem Evaluationsentscheid sorgfältig geprüft werden”). […]

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