Gefangen im eigenen ERP-System – Was nun?

Falsches ERP-System

Der Markt boomt. Die Finanz-, Rohstoff- und Euro-Krise scheint erstmal überwunden und die Kunden investieren wieder. Das eigene Unternehmen blüht, die Mitarbeiter sind motiviert und auch die internen Projekte sind weitgehend auf Kurs. Alle Pfeile in den Management-Cockpits zeigen nach oben und die Kapitalgeber halten die Zügel wieder etwas lockerer. Einem gesunden Unternehmenswachstum scheint nichts im Wege zu stehen! – Wenn da nicht das eigene ERP-System wäre…

Gefangen im eigenen ERP-System – Kunden und Anbieter betroffen

Die rasante Entwicklung mit noch unbestimmtem Ausgang jedoch disruptiver Schlagkraft fordert die Kunden und Anbieter von ICT gleichermassen. Genauso wie viele Kunden stellen auch zahlreiche Anbieter immer wieder fest, dass die eigene Lösung an Grenzen stößt und die spezifischen Anforderungen der Kunden nur noch bedingt wenn überhaupt noch erfüllt werden können. Dies führt bei Systempräsentationen gelegentlich zu unbequemen Situationen, v.a. wenn der Anbieter sich zuvor unzureichend informiert hatte und mit dem überzeugten Anspruch auftritt, die maßgeschneiderte Lösung für den Kunden liefern zu können – im Standard versteht sich. Was dann folgt sind oft überhöhte Kosten für Einführung und Customizing während die mangelnde Erfahrung auf Projekt- und Entwicklerseite den Erfolg des Einführungsprojekts gefährdet.

Kein Unternehmen kann es sich heute noch leisten, eine IT-Landschaft zu betreiben, die zugleich viel kostet, die Anforderungen nicht optimal abdeckt und die nötige Flexibilität vermissen lässt. Wer weiß schliesslich, was in 2-5 Jahren ist? Wie werden sich Datamining, Big Data, Smart Services, Business Intelligence, IoT und die Digitalisierung schlecht hin auf das eigene Unternehmen, unsere Art der Mobilität und Zusammenarbeit sowie das eigene Produktspektrum auswirken? Ist eine Spezialisierung in diesem Umfeld überhaupt ratsam? – oder vielleicht erst recht? Und wenn ja in welche Richtung? Wird eine zusätzliche Diversifizierung unvermeidbar, um den Anschluss in keine Richtung zu verlieren? Und wie sichern wir uns die nötigen Mittel, um das entsprechende Know-How ggf. über Zukäufe zu sichern? Wäre es vor diesem Hintergrund nicht besonders wichtig, Softwarelösungen und Anbieter hinter sich zu wissen, die bereit sind, jede Entwicklung (zumindest die strategisch entscheidenden) mitzugehen? Und dies gestützt auf eine moderne IT-Architektur und nicht-proprietärer Standards?

Die Praxis braucht einfache Lösungen die funktionieren

Die Dynamik der Veränderung nimmt heute definitiv eine andere Dimension ein, als das noch vor einigen Jahren der Fall war. Wer das ignoriert wird über kurz oder lang Schwierigkeiten bekommen, den Anschluss zu halten. Zumindest wird die Aufholjagd enorme Summen verschlingen, die manche KMU’s zeitlich und finanziell überfordern dürften. Das Um-Sich-Werfen mit Schlagworten wie Industrie 4.0, Digitalisierung und Big Data nützt der Praxis dabei genauso wenig, wie vereinfachende Kochrezepte mit dem Anspruch, der Weisheit letzter Schluss bereits zu kennen.

Beide Seiten, Kunden wie Anbieter, sind aufgefordert, die Augen offen zu halten, die Entwicklungen im Markt und auf technologischer Seite aufmerksam mit zu verfolgen und sich im eigenen Netzwerk rege auszutauschen. Gemäss Aussage von Peter Gloor, Research Scientist am Center for Collective Intelligence ist dieser Austausch heute wichtiger denn je, um längerfristig bestehen zu können. Die eigene sehr beschränkte Optik reicht schon lange nicht mehr aus, der realen Komplexität gerecht zu werden. Blickt man in der Geschichte zurück waren es oft die einfachen und günstigen Lösungen, die sich durchgesetzt haben und massentauglich wurden. Teure, aufwändige und anspruchsvolle Konzepte blieben in der Nische stecken oder verschwanden nach einiger Zeit ganz vom Markt. So setzte sich damals VHS gegenüber Betamax und Video 2000 eindrücklich durch, Online-Pioniere wie die Suchmaschine AltaVista oder der Messenger ComBOTS mussten der Konkurrenz das Feld überlassen, das Betriebssystem IBM OS/2 stellte zu hohe Anforderungen an die Hardware und war zu teuer, und genauso erstaunlich wäre, wenn sich Laser-Fernseher irgendwann doch noch durchsetzen würden.

Die zentralen Fragen sind heute wie eh und je die Folgenden: „Inwiefern ist eine sich abzeichnende Entwicklung für das Unternehmen relevant, wie nachhaltig ist diese und was bringt uns dabei tatsächlich weiter?“ Diese Fragen mit einem an eine spezifische Lösung bzw. im eigenen Geschäftsmodell kurzfristig gefangenen Lieferanten zu besprechen ist wohl nicht der vielversprechendste Ansatz. Eine zukunftsorientierte Strategieentwicklung erfordert ein 360°-Screening, das man je länger je mehr nur im regen Austausch innerhalb eines innovativen Netzwerks von Experten und Peers erfolgsversprechend und kontinuierlich durchführen kann. Das gilt ganz besonders auch hinsichtlich Applikationen im Business Software – Bereich. So wurde Airbnb genauso wenig von der Hotelindustrie initiiert wie UBER von der Taxibranche, obwohl der Markt dies ganz klar wünscht. Im ERP-Geschäft ist es ähnlich, ist es doch nahe liegend und bequem, die Kunden weiterhin über altbewährte Lizenzmodelle an sich zu binden.

Mein ERP-System passt nicht mehr – was nun?

Falsches ERP-System

Gemäss Zeitungen, Ausgabestatistiken und Aussagen namhafter Wirtschaftsführer ist aktuell ein richtiges „Wettrüsten“ im IT-Bereich zu erkennen. Verständlich, denn keiner möchte den Anschluss im Zeitalter der Digitalisierung verpassen. Die Chancen sich dabei zu verrennen sind relativ hoch, zumal aktuell niemand genau weiß, wohin die Reise führt. Als Unternehmen mit beschränkten Ressourcen sind die Investitionen daher wohlüberlegt zu tätigen. Machen Sie nicht den gleichen Fehler wie viele andere. „Slow down to speed up“ ist die scheinbar ewig gültige Devise aus der Strategielehre – auch hier. Und sei die Entwicklung noch so rasant, es lohnt sich, für die Evaluation der individuell am besten geeigneten Lösung genügend Zeit aufzubringen. Anschaffung, Einführung und Betrieb eines unpassenden ERP-Systems kann nicht nur sehr teuer sondern in manchen Fällen sogar existenzbedrohend sein. Unabhängige externe Berater können sich in dieser Situation als äußerst wertvoll erweisen. Durch ihre Markt- und Branchenkenntnisse können sie die individuelle Unternehmenssituation in die aktuellen Entwicklungen im Bereich Business Software und IT-Architektur einordnen und mit dem Unternehmen die beste Lösung evaluieren. Das dafür investierte Kapital zahlt sich allemal aus, denn die IT bildet heute und in Zukunft das Herzstück jedes Betriebs und damit ein wesentlicher Wettbewerbsfaktor.

 

 

Veröffentlicht am 9. Juni 2016

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