Informationsqualität in vernetzten Handelssystemen

Informationsqualität in vernetzten Handelssystemen

Neue technische Möglichkeiten haben zu grundlegenden Veränderungen des Konsumverhaltens und so zu massiven Umwälzungen im Handel geführt. Sie bieten aber auch für Händler viele Chancen. Sie zu nutzen wird 2015/2016 am meisten Aufmerksamkeit erfordern.

Die Anforderungen im Handel sind unterschiedlich

In kaum einer Branche schlagen sich die Herausforderungen aus Markt und Konsumverhalten so unmittelbar auf die IT nieder wie im Handel. Die Konsumenten verfolgen je nach persönlichem Hintergrund, Motivation und Konsumgut unterschiedliche und sich ändernde Beschaffungsstrategien. Informiert und verglichen wird global, gekauft je nach Bedarf spontan im Webshop oder nach detaillierter Recherche im Ökoladen um die Ecke. Diese Individualisierung und Fragmentierung des Konsums wird weiter anhalten. Denn auf der anderen Seite richten sich die Händler durch geeignete Strategien nach den Anforderungen der Kundinnen und Kunden und positionieren sich gegenüber dem Wettbewerb. Für die Umsetzung der Strategien braucht es IT-Lösungen, die eine rasche und konsequente Realisierung der Konzepte ermöglichen.

Informationsqualität und „Big Data“

Informationen sind in diesem Wettbewerb die harte Währung. Die Outdoor-Branche macht seit Jahren vor, wie Informationen zu Produkten, Verfügbarkeit, Mitbewerber, Konsumenten und Konsumverhalten die Basis für erfolgreiche Geschäftsmodelle bilden. Der Begriff „Big Data“ hat vielerorts zu einem Missverständnis geführt. Nicht die Menge der ausgewerteten Daten ist erfolgsentscheidend, sondern das Erheben, Verknüpfen, Auswerten, Verstehen und Teilen in hoher Qualität.  Erfolgreich ist, wer seinen Kunden zuverlässig Auskunft über die Verfügbarkeit in den Filialen oder die Lieferzeit in verschiedenen Zustellkanälen geben kann, wer seine Preise schnell an den Markt oder Zusatzdienste an die Anforderungen der Kunden anpasst.

Mit menschlicher Arbeitskraft in geschlossenen Systemen ist das nicht zu schaffen. Durch die Arbeitsteilung zwischen Hersteller, Händler, Point-of-Sale und Lieferant sowie die Verknüpfung deren Systeme entsteht ein Systemnetzwerk, das den Anforderungen an das Informationsmanagement gerecht werden und die Kosten für Informationsbeschaffung und –pflege im Rahmen halten kann.

Klar ist auch, dass alle Beteiligten die Prozesse wie Kalkulation und Preisfindung, Absatzplanung und Beschaffung, Zustellung und Retourenverwaltung wirklich beherrschen müssen. Hier gibt es noch viele Hausaufgaben zu machen. Denn bei zahlreichen Händlern steht die Bestandesverwaltung noch auf wackeligen Füssen und die Kalkulation ist eine Gleichung mit vielen Unbekannten. Auch im Life-Cycle-Management von Produkten werden viele Möglichkeiten nicht genutzt. Das hat damit zu tun, dass die eingesetzten Systeme nicht überall die benötigten Funktionen bieten.  Oft aber auch, dass Life-Cylce-Management isoliert betrieben, noch keinen Nutzen bringt.

Prozessoptimierung, tut Not, ist aber keine Einmalaktion sondern ein fortlaufender Prozess. Sie geht einher mit der Serviceentwicklung. Auch in diesem Bereich besteht eine hohe Dynamik. Wer mit seinen Systemen die passenden Dienste effizient aufbauen und anbieten kann, hat die Nase vorn. Wichtig sind hierbei Qualitäsmessgrössen wie Konversionrate, die Retourenquote aber auch die Kosten für den Aufbau und den Betrieb einer Dienstleistung.

Echte Innovationen

Die Herausforderung für den Handel ist komplex. Die eine, beste Lösung gibt es nicht. Je nach Ausrichtung müssen Schwerpunkte gesetzt und Teilstrategien (z. B. Datenstrategie) erarbeitet werden. Und es braucht Systempartner, die die Herausforderungen verstehen, ihr Handwerk beherrschen aber gleichzeitig über Best Practice-Ansätze hinaus denken können. Mittelmass und Mikroinnovationen helfen hier nicht weiter. Kein Händler biegt auf die Erfolgsspur, wenn sein ERP-Anbieter das Mahnwesen im neuen Release verbessert hat. Echte Innovationen entstehen, wenn der Kunde (der Händler) die strategischen Weichen richtig stellt, die Prozesse mit seinen Geschäftspartnern beherrscht und Systempartner findet, die eigene Ideen einbringen und das für die Umsetzung benötigte Werkzeug mit entsprechendem Knowhow zur Verfügung stellen. Die Systemhersteller müssen dazu sowohl das Geschäft und die Anforderung ihres Kunden als auch diejenigen der Konsumenten verstehen. Dadurch können sie einen massgeblichen Beitrag zum Erfolg ihrer Kunden leisten. Trendkonzepte wie Cloud-Computing oder Mobility sollten dabei keine „Me-Too“-Themen sein sondern bewusst und gezielt eingesetzte Lösungen für bestimmte Anforderungen.

Beispiel Kassensysteme

Ein Beispiel aus dem Bereich der Kassensysteme: Mit einem Smartphone oder Tablett und einem kabellosen Kartenterminal lässt sich bereits ein funktionierendes Kassensystem aufbauen. Das Kartenterminal ist nicht grösser als eine Zigarettenschachtel und kostet weniger als CHF 100 im Monat. Es kommuniziert über Bluetooth mit dem mobilen Rechner. Damit erfüllt es nicht nur die Anforderungen des Unternehmers nach einer einfach zu installierenden Lösung mit günstigen und planbaren Kosten. In der schicken Boutique in der Zürcher Innenstadt finden die Kundinnen das kleine Kästchen und das Tablett auf dem geschwungenen Designständer aus Echtholz auch ansprechender als eine piepsende Registrierkasse.

Die Herausforderung der Händler ist auch die Herausforderung der Systemanbieter

Alles spricht für weitere Innovationen. 2015/2016 wird es etablierte und spezialisierte Anbieter geben, die mit neuen Ideen für den Handel aufwarten. Und wir werden neue Dienstleister entdecken, die noch freie Nischen besetzen. Sie werden Dienste in neuer Qualität ermöglichen und neue Möglichkeiten schaffen. Für die Händler entscheidend ist nach der strategisch richtigen Ausrichtung, dem Partnernetzwerk und der Prozessbeherrschung die effiziente Umsetzung. Denn nicht nur im Handel zählt letztlich nur das Handeln.

Interessant in diesem Zusammenhang der Artikel von Thomas Lang auf inside-it.ch zur Rolle von ERP-Systemen und spezialisierten- eCommerce-Lösungen.

Veröffentlicht am 11. Februar 2015

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