Lastenheft und Pflichtenheft

lastenheft_Pflichtenheft-ERP-Evaluation

Lasthenhefte haben einen schlechten Ruf

Das Lastenheft beschreibt die Gesamtheit der Anforderungen an eine Software (oder auch eine Dienstleistung). Der englische Begriff „Requirement Specification“ ist hier klarer. Im Gegensatz dazu beschreibt das Pflichtenheft, wie ein Dienstleister (der Auftragnehmer) die im Lastenheft beschrieben Anforderungen zu erfüllen gedenkt. Die Definition der beiden Begriffe kann man in Wikipedia oder (wer Industrienormen mag) in der DIN 69901-5 Teil 5 nachlesen.

Das Lastenheft hat einen schlechten Ruf. Oft werden mehrere tausendseitige Bände mit Wünschen von Anwenderinnen und Anwendern erarbeitet. Dies Wünsche spiegeln oft nur die aktuelle Situation im Unternehmen wider. Die beteiligten beschreiben im Prinzip, was in der heutigen Umgebung schlecht läuft und zukünftig besser sein soll. Die Wunschliste (von Anforderungen spreche ich bewusst nicht) ist weder vollständig noch konsistent. Und so ist die ganze Aktion doppelt ärgerlich: Der Aufwand für die Erstellung ist enorm, das Ergebnis wenig hilfreich. Der Ärger ist somit vorprogrammiert.

Mit oder ohne Lastenheft?

Es gibt Ansätze, bei ERP-Evaluationen auf das Lastenheft zu verzichten. Doch der Ansatz unterliegt einem Denkfehler. Das wäre so, wie wenn Sie bei einem Beinbruch den Gips weglassen, weil jemand damit schon einmal schlechte Erfahrung gemacht hat. Das Problem ist nicht der Gips (das Lastenheft), sondernd die mangelnde Qualität bzw. das mangelnde Knowhow des Arztes (Erstellers).

Wenn Sie ein Auto kaufen möchten, überlegen Sie sich, welche Eigenschaften es haben muss damit es das richtige ist. Im Kopf schreiben Sie ein kleines Lastenheft (Kraftstoffverbrauch, Leistung, Grösse, Ausstattung). Würden Sie spontan ohne Anforderungen und Abgleich mit den Parametern beim Autokäufer, nur nach dem Preis gehen, bekämen Sie mit Sicherheit das falsche Auto.

Immer wieder dürfen wir Projekte übernehmen, die in die Sackgasse manövriert wurden. Nicht selten, war sogar ein externer Berater beteiligt. Häufig ist für uns aufgrund der erarbeiteten Dokumente nicht ersichtlich, wohin das Projekt eigentlich gesteuert werden sollte. Da gibt es Prozessdokumentationen, Organigramme und Schnittstellenübersichten. Vieles sieht spontan selbstgebastelt aus, dem Kunden ist unklar, was der Berater eigentlich machte. Da war wohl ein Guru am Werk. Um Anforderungen zu ermitteln, zu dokumentieren und abzustimmen benötigt man jedoch keine Gurus sondern solides Handwerk und Erfahrung. Die Disziplin, die sich mit dem Thema befasst nennt sich Requirements Engineering. Hierzu gibt es gute Literatur, Kurse und Abschlüsse.

Lastenhefte wirtschaftlich erstellen

Max Wolf schreibt auf seinem Blogbeitrag „Die Last mit der Last – Teil 1 – Warum die Investition in ein ausgereiftes Lastenheft in Ihrem Projekt Geld spart„. Der Beitrag macht die Wichtigkeit des Lastenhefts deutlich. In der Praxis kann man jedoch kaum alle Anforderungen ermitteln ohne unwirtschaftlich zu arbeiten. Hier ist Augenmass nötig. In der Regel wird der Rahmen durch das vorhandene Budget und den Zeitrahmen ohnehin festgelegt. Ein erfahrener Berater, idealerweise ein Requirements Engineer kann in kurzer Zeit einen Grossteil der relevanten Anforderungen ermitteln und ein Lastenheft erstellen, dass eine zuverlässig Umsetzung der Projekts erlaubt.

Anforderungen wirtschaftlich ermitteln und in Lastenheften zusammenfassen

Alle Anforderungen im Lastenheft zu sammeln, wäre unwirtschaftlich

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Veröffentlicht am 27. Januar 2014
2 Kommentare

[…] müssen aber gar nicht dick sein. Im Gegenteil: Das Erstellen eines Pflichtenhefts erfolgt unter Kosten-Nutzen-Überlegungen. Und Professionell erstellte Pflichtenhefte konzentrieren sich auf das Wesentliche und bringen die […]

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