Lizenzmodelle für ERP-Systeme der Zukunft

ERP-Lizenzmodell

Adobe bietet seine Produkte seit Jahren im Abonnement, Microsoft geht mit Office 365 den selben Weg. In der ERP-Welt sind nach wie vor die klassischen Lizenzmodelle weit verbreitet. Viele ERP-Anbieter bieten bereits alternative Lizenzmodelle an, meist in Form von Abonnements.  Die Strategien der ERP-Anbieter unterscheiden sich stark. Dabei kann das Lizenzmodell ein wichtiger Indikator für die Kundenkorientierung des Anbieters ein.

Kundenbindung durch klassische Lizenzmodelle

Im klassischen Lizenzmodell wird zwischen Named und Concurrent Usern unterschieden. Bei Named Usern muss jede Anwenderin und jeder Anwender eine ihm zugeteilte Lizenz haben um das ERP-System nutzen zu können. Bei Concurrent Usern kauft der Kunde eine feste Zahl an Lizenzen. Die Zahl der gekauften Lizenzen legt fest, wie viele User das System gleichzeitig benutzen können. Ist diese erreicht, können sich keine weiteren User mehr anmelden.

Für das Concurrent User Modell werden weniger Lizenzen benötigt. Dieser Effekt wird häufig durch einen höheren Preis der Einzellizenz relativiert. Daher lohnt sich das Concurrent User Modell dann am meisten, wenn die Zahl der User, die gleichzeitig im System arbeiten deutlich kleiner ist als die Gesamtzahl der Anwender. Ein weiterer Vorteil des Concurrent User Models ist, dass die Lizenzen bei Mutationen im Anwenderstamm nicht verändert werden müssen. Im Named User Modell muss einem neuen Mitarbeiter jeweils eine neue Lizenz zugewiesen werden, im Falle eines zusätzlichen Users muss somit eine ERP-Lizenz gekauft werden. Zusammen mit der Rechteverwaltung kann das klassisches Lizenzmodell zu nicht unerheblichen administrativen Aufwenden bei Kunden führen.

Beide Lizenzmodelle werden verkompliziert, wenn zwischen verschiedenen Lizenztypen unterschieden werden muss (z. B. Voll-/Teillizenzen oder rollenbasierten Lizenzen). Lizenzen im klassischen Lizenzmodell werden zudem einmalig gekauft und können im Allgemeinen nicht mehr zurückgegeben werden. Möchte ein Kunde seine ERP-Lösung durch ein Produkt eines anderen ERP-Herstellers ersetzen, muss er die getätigte Investition in die Lizenzen abschreiben. Kunden werden diese Abschreibung nur vornehmen, wenn es handfeste Gründe dafür gibt. Das klassische Lizenzmodell kann bei ERP-Systemen daher als Mittel der Kundenbindung betrachtet werden. Umgekehrt werden kleine, stark wachsende oder sich stark verändernde Unternehmen sich genau überlegen, ob die Investition in ein starres Lizenzmodell, dass sie zudem stark an den ERP-Anbieter bindet, wirklich tätigen wollen.

ERP-Software im Abo

Statt die Nutzungsrechte für ein ERP-System in Form einer Lizenz zu kaufen, können ERP-Systeme bei vielen ERP-Anbietern heute auch abonniert (=gemietet) werden. Der Kunde bezahlt dabei für einen festen Leistungs- und Funktionsumfang einen festen Preis pro Periode. Initialkosten für die Nutzung der Software fallen nicht an. Beratungsleistung für die Konfiguration, der Software, die Datenmigration, die Schulung u. a. können bezogen werden.

Ein Abonnement für ein ERP-System muss nicht zwingen mit einer Hosting-Lösung (Cloud-Lösung) zusammenhängen. Allerdings spielen Software-Abonnements ihre Stärken erst in der Kombination richtig aus. Wer als Kunde echte Services bezieht, schafft sich eine gewisse Unabhängigkeit und damit Flexibilität. Gerade für sich schnell verändernde Unternehmen in dynamischen Märkten ist dies ein entscheidender Vorteil. Bei Bedarf kann ein zusätzlicher Service abonniert oder ein bestehender Service gekündigt und ein neuer von einem anderen Anbieter bezogen werden. Abschreibungen für Lizenzen fallen nicht an. Allerdings sind meist Dienstleistungen notwendig, um eine bestehende Service-Lösung in eine neue zu überführen.

Äpfel und Birnen

Der Vergleich von klassischen Lizenzmodellen mit Service-Abonnements ist meistens nicht ganz trivial. Bei ERP-Systemen sind häufig in den Service Leistungen enthalten, die Kunden im klassischen Lizenzmodell selber erbringen (z. B. das Hosting des ERP-Systems, das Einspielen von Updates). Daher erscheinen Services teurer. Um eine richtige Aussage über die genauen Kosten beider Varianten machen zu können, müssen gleiche Leistungen verglichen28, die Eigenleistungen also korrekt bewertet werden.

ERP-Lizenz_Wartung_Abonnement

 

Neben den Kosten für ein Lizenzierung oder Nutzung sind Faktoren wie Flexibilität, Sicherheit, benötigte Leistungen und Nachhaltigkeit wichtige Kriterien für die Entscheidung für oder gegen eine ERP-Lösung. Das Lizenzmodell hat darauf einen wesentlichen Einfluss. Die heute bestehenden starren und komplizierten Lizenzsysteme werden in Zukunft durch flexiblere ersetzt werden, die den Anforderungen der Kunden besser Rechnung tragen. Unternehmen werden nicht mehr bereit und nicht mehr in der Lage sein, sich auf umständliche und unflexible Modelle einzulassen. Die Software und Service-Anbieter, die dies verstanden haben, werden die Nase vor haben. Das gilt nicht nur für die ERP-Branche.

 

Veröffentlicht am 29. Oktober 2015
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