Schweizer Ausverkauf im Silicon Valley? – Ein Umdenken ist nötig

Sie kenne sie, die pulsierenden Zentren Silicon Valley und Shanghai – dort wo Talente, Aufbruchstimmung und Kapital zusammen treffen. Aus Ideen entstehen fast über Nacht Prototypen bzw. MVPs (Minimum Viable Products). Diese werden in Windeseile marktreif gemacht und in akribischem Aktivismus und unter beherzter Kollaboration im Markt eingeführt. Weit mehr als die Hälfte des weltweiten Venture Capitals wird in den USA investiert, davon der Grösste Teil im Silicon Valley (s. Grafik unten, Quelle: Preqin 2014). Das Kapital sucht sich den besten Nährboden und scheint dies in den zwei Magnetpunkten Amerikas und zunehmends auch Asiens gefunden zu haben. Selbstverständlich bleibt dies den Startups und Spin-Offs in aller Welt nicht verborgen und so pilgern die Unternehmer in Massen dorthin, um mit gefüllten Taschen und abgewälzten Risiken in die Innovation-Labs zurückzukehren und die Ideen zu verwirklichen. In vielen Fällen bedeutet dies intensives Networking und „Pitching“ bis zur Erschöpfung bzw. bis ein interessierter VC anbeisst.

Und was ist mit den Schweizer Startups? Visionäre und mutige Jungunternehmer wagten sich unlängst in den vielversprechenden Rummel südöstlich von San Francisco und wer die Chancen des 21. Jahrhunderts packen und den globalen Markt erobern möchte, tut am Besten genau das auch! – Leider, muss man sagen, denn das Risikokapital ist in der Schweiz noch immer sehr dünn gesät, eine Risiko- und Fehlerkultur fehlt und der Zugang zu Fachkräften wird je länger je schwieriger. An der Technologie und an der Innovationskraft kann es auf jeden Fall nicht liegen, geniessen wir doch gemäss Global Innovation Index seit Jahren den Ruf, das innovativste Land der Welt zu sein. – Warum würden sich sonst auch regelmässig sog. Tech-Scouts aus aller Welt in der Schweiz tummeln.

Braucht es hier also nicht ein radikales Umdenken? Statt nach Fernost und -west zu pilgern und mit guten Eindrücken (und mehr ist es oft nicht!) in die Schweiz zurück zu kehren oder einen „halbherzigen“ Outpost in CA einzurichten, um diesen nach 2-3 Jahren wieder einzustampfen, sollten wir doch anfangen, das Beobachtete zu transferieren, zu implementieren und viel schneller und viel stärker im eigenen Unternehmen die nötigen Rahmenbedingungen zu schaffen und Startups wie Spinoffs zu unterstützen, um Technologie, Fachkräfte und künftige Arbeitsplätze im eigenen Land zu behalten. Denn eines ist klar, im transformativen Zeitalter werden sich Startups als regelrechte Jobmachinen entpuppen. Und genau diese Jobs wollen wir hier in der Schweiz unter Schweizer Mehrheitsbeteiligung.

Das Wichtigste ist aus meiner Sicht, unsere Unternehmen beweglich zu machen und für den Wandel vorzubereiten, unabhängig davon, wie konkret sich die Zukunft im eigenen Kontext bereits abzeichnen lässt. Dazu gehört u.a.:

  • … den Kulturwandel fördern in Richtung „Risiko- und Fehlerkultur“  => Blick nach vorne: „Wie können wir es beim nächsten Mal besser machen?“
  • Mitarbeiter befähigen und neue Fachkräfte holen (z.B. Entwickler, Data Scientists, „Digital Prophets“)
  • Raum schaffen für „Inside-out“ Innovationen => Statt „das ist unmöglich!“ – „was wäre nötig, um die Idee zum Erfolg zu führen!“)
  • Aktiv über neue Geschäftsmodelle nachdenken => „Wo generieren wir künftig Wert entlang der Customer Journey?“ „Wie sehen die künftigen Ertragsmodelle aus?“
  • Corporate Venture Capital bereit stellen und in vielversprechende Startups oder Spinoffs investieren
  • Ein Ecosystem von Partner aufbauen (z.B. für Fachkräftezugang, schnellere Markterschliessung, etc.)
  • Digital Leadership entwickeln und leben => Ohne die richtige Führung von Generation Y und Wandelprozess wird jede Umsetzung schwierig bis unmöglich.

Gelingt uns dies, werden wir Chancen früher erkennen und nutzen können und Innovationen öfters und schneller in marktreife Produkte verwandeln, bevor das andere tun. – Leider hinken wir hier gerade in diesem Punkt noch immer Ländern wie USA, Deutschland, Israel, England und die skandinavischen Staaten hinterher.

Eines steht fest, der Transformationsprozess wird Gesellschaft und Wirtschaft in allen Ländern gleichermassen fordern und steht den USA (trotz Silicon Valley) genauso bevor, wie den Schweizer Unternehmen. Wer den Prozess jedoch erfolgreich vorbereitet und managt, wird besser gewappnet sein, fast unabhängig davon, wo der Wandel hinführt.

 

Und wie steht es um die Digitalisierung im ERP-Umfeld? –> lesen Sie mehr….

Veröffentlicht am 19. Mai 2017

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