Die Geschichte des guten Vertrags

Wie oft nehmen Sie Ihre Vertragswerke zur Hand, wie oft prüfen Sie die Einhaltung der darin beschriebenen und rechtlich verbindlichen Rechte und Pflichten? Ist die Antwort auf diese Fragen eine erfolgreiche Vertragsgeschichte wenn Sie mit „sehr oft und regelmässig“ oder wenn Sie mit „noch nie“ antworten können? Wann und in welchen Situationen wird der Vertrag plötzlich interessant und was zeichnet einen guten Vertrag aus? Was soll und was muss ich beim Erstellen eines Vertrags für meine Business Software beachten? Wir zeigen Ihnen einen Weg, ohne Umwege.

Die Geschichte des guten Vertrags

Starten wir unsere kleine Geschichte des guten Vertrags auf einem Spielfeld. Die antretenden Mannschaften – nennen wir diese Lieferant und Kunde – einigen sich auf ein gemeinsames Regelwerk – einen Vertrag. Da die bevorstehende Begegnung zwischen Lieferant und Kunde von Bedeutung ist, wird für den gesamten Verlauf des Spiels die Einhaltung des Vertrags beider Mannschaften geprüft und Abweichungen sanktioniert. Im guten Vertrag sind selbstverständlich auch die anzuwendenden Sanktionen bei einem Vergehen im Voraus festgelegt. Dank diesen Massnahmen kann ein faires Spiel in geregeltem Rahmen stattfinden. Jeder Mitspieler der beiden antretenden Mannschaften kennt das Regelwerk. Findet eine Auswechslung statt und ein neuer Spieler betritt das Spielfeld, oder ein Gewitter sorgt für einen zeitlichen Unterbruch oder die verlorene Zeit wegen einer Verletzung wird nachgespielt – wie auch immer – das weitere Vorgehen ist für alle klar und verbindlich geregelt. So sieht eine erfolgreiche Geschichte auf der Basis eines guten Vertrags aus, es gibt jedoch auch andere Beispiele.

Herausforderung IT-Vertrag

Unternehmen schliessen Verträge oft und auch in grösseren Mengen ab. Die möglichen Konsequenzen aus IT-Vertragswerken können von hoher Tragweite sein. Aus diesem Grund setzen grössere Unternehmen seit Jahren interne oder externe Spezialisten dazu ein. Selbst nach einer vorbildlichen Evaluation, einem verbindlichen Lastenheft und einem aktuell guten Einvernehmen unter den Beteiligten, gibt es diverse mögliche Stolpersteine. Werden diese spät oder zu spät erkannt, können die Konsequenzen nicht nur äusserst unangenehm werden, sondern auch noch sehr kostspielig. Und … wir sprechen nicht von einem einzigen Vertrag, da wären beispielsweise der:

  • IT-Projektvertrag
  • IT-Dienstleistungsvertrag
  • IT-Werkvertrag
  • Hardware-Beschaffunsgvertrag
  • IT-Wartungsvertrag
  • Software-Pflegevertrag
  • Lizenzvertrag
  • Outsourcing-Vertrag
  • Software-Entwicklungsvertrag

Eine ganze Auswahl steht zur Verfügung. Auf keinen Fall aber, darf man sich von dieser Vielfalt abschrecken lassen und die erstbeste Vorlage benutzen oder sogar unterzeichnen. Vielfach geprüfte und oft verwendete Grundlagen finden Sie beispielsweise auf den drei nachfolgend verlinkten Seiten.

Mögliche Vertragsgrundlagen / Muster

  • AGB der SIK: Anwendung in der öffentlichen Verwaltung in ICT-Bereichen
  • SWICO: IT-Modellverträge – Kostenpflichtige Vertragswerke in Zusammenarbeit mit SwissICT
  • WEKA: Kostenpflichtige IT-Vertragsvorlagen

Die gute Geschichte basiert auf einem guten Fundament …

Ein guter Vertrag ist einer, bei welchem die beteiligten Parteien eine WIN/WIN Situation erarbeiten. Dies gibt es selten ohne entsprechendes Engagement und Wille. Ein IT-Vertrag  oder ein ganzes IT-Vertragswerk regelt die Zusammenarbeit der gemeinsamen Zukunft, da liegt es auf der Hand, dass es sich lohnt dafür Zeit und Energie zu investieren. Zum guten Fundament gehört der Bezug zu bereits vorhandenen Dokumenten, welche den Vertragsgegenstand möglichst gut beschreiben. Dies sind beispielsweise:

  • das Lastenheft
  • die Ausschreibungsunterlagen
  • das Angebot
  • die Nachträge

Im Weiteren sind die Preise und die Zahlungsbedingungen festzulegen. Termine sind zu definieren und die Konsequenzen bei Nichterreichung derselben zu regeln. Das Vorgehen bei Mängeln, die Gewährleistungen und die Garantie gehören ebenfalls geklärt. Wann gilt ein System als ‚abgenommen‘, wie lauten die Test- und Abnahmekriterien?

… und endet nicht mit dem Projektabschluss

Bei der guten Geschichte des Vertrags können Sie das Projekt erfolgreich und in guter Partnerschaft abschliessen. Dieses Stück der Geschichte läuft nicht immer, aber in vielen Fällen positiv ab. Dies kann auch darauf basieren, dass das Projektteam die Bedingungen gemeinsam festgelegt und dann auch in diesem Sinne bei Hindernissen angewendet und interpretiert hat. Mit dem Projektabschluss und der Übergabe in den Betrieb wechseln in den meisten Fällen die Mitspieler. Sowohl beim Team des Lieferanten wie auch beim Kunden betreten jetzt die Wartungs-/Service-/Unterhalts-Teams das Spielfeld.  Der Vertrag bleibt und ist eine der wenigen Konstanten zwischen Projektgeschäft und Betriebsalltag. Nun gilt es, die Vereinbarungen weiterhin anzuwenden, zu prüfen und wo notwendig zu korrigieren.

Die Geschichte des Vertrags verläuft – glücklicherweise – in vielen Fällen unspektakulär und eher mit der eingangs erwähnten Antwort „noch nie“. Doch wie wir wissen, können aus anfangs kleinen Stolpersteinen plötzlich unüberwindbare Hürden entstehen. Die relevanten Verträge haben Auswirkungen auf die gesamten Leistungen, insbesondere natürlich auch auf den Preis. Mit der Erstellung von Vertragswerken in einer frühen Projektphase können die Spielregeln von Anfang an angewendet werden und alle starten mit denselben Voraussetzungen. Als Vergleich eignet sich die in diesem Blog beschriebene Geschichte des guten Vertrags.

 

Veröffentlicht am 14. Dezember 2014
1 Kommentar
Daniel Frei

Ergänzung aus ISBN 978-87-403-0758-0, Walter Jaburek, 2014:

Der beste Vertrag nützt nichts,
– wenn ihn niemand liest
– wenn man nicht schaut, dass man bekommt, was man braucht
– mit dem falschen Vertragspartner
– wenn man auf seine Inhalte verzichtet

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